Budapest–Baja 2014

Ende Juni kam von Fanni die Anfrage, wer Zeit und Lust hätte, gemeinsam mit ihr am 1. August  bei der 26. Budapest–Baja-Regatta zu starten. Mit 165 km, Start um 5 Uhr und Ende um 21 Uhr, ist es die längste und mitunter härteste Ruderregatta Europas. Die Begeisterung der Donauhortler für diese sportliche Herausforderung oder Wahnsinnsaktion hielt sich in Grenzen. Unter anderem fiel der Termin auf das Wiener Einer-/Achter-Wochenende. So meldeten sich am Ende nur Rudi, Udo und Rike. Damit war das Budapest–Baja-Mixed Vierer Projekt geboren und die Planung konnte beginnen.

Rudi hat sich leider während der Saison eine Entzündung im Handgelenk zugezogen. Und am Ende hat sich Fannis größte Sorge kurz vor der Regatta leider bewahrheitet. Bei unserer Abschlussbesprechung morgens nach dem Frührudern war endgültig klar, dass 165 km für Rudis Hand zu viel sind. Die Genesung war leider nicht so schnell vorangeschritten, wie Rudi es sich erhofft hatte. Doch wie findet man wenige Tage vor der Regatta jemanden für eine 165 km lange sportliche Herausforderung? Keine einfache Aufgabe. Am Ende konnten wir Wolfgang für unser Abenteuer gewinnen. Er hatte Mitleid mit Fanni, Udo und Rike, die sich sehr auf die Regatta gefreut hatten. Wolfgang, Dir gilt ein ganz besonderes Dankeschön, dass Du so kurzfristig eingesprungen bist und unseren Mixed-Vierer doch noch möglich gemacht hast. Rudi hat uns dann als Landdienst unterstützt und durfte am Ende wenigstens die Fischsuppe in Baja genießen. Nach der Siegerehrung gibt es für alle Teilnehmer und Begleiter die traditionelle Fischsuppe mit gebackenem Karpfen, die in riesigen Kesseln, unter freiem Himmel, gekocht wird.

Während es für Fanni mit dem 6. Start bei der Budpest–Baja-Regatta ein Heimspiel war, sollte es für Wolfgang, Udo und Rike ihre bisher längste und härteste Ruderregatta werden. Nachdem wir am Abend vor der Regatta unser Boot Thor im Hafen von Budpest abgeladen, aufgeriggert und die Boote unserer Konkurrenten inspiziert hatten, mussten Herausforderungen wie Parkplatzsuche, Pizza-Bestellung und Zimmerumbuchung im Hotel gemeistert werden. Gegen 23 Uhr sind wir dann ziemlich KO in unserer Suite ins Bett gefallen und haben versucht zu verdrängen, dass Fanni uns in nur 5½ Stunden schon wieder mit dem Taxi abholt. Kurz vor dem Klingeln des Weckers hat uns am nächsten Morgen dann ein heftiger Regenschauer geweckt.

Auf dem Weg vom Taxi zum Start hat Rike Wolfgangs Adrenalinspiegel bereits das erste Mal in die Höhe getrieben, als sie auf dem Parkplatz gestolpert ist und sich das Knie aufgeschlagen hat.

Am Start war bereits eifriges Treiben. Insgesamt waren 103 Teilnehmer in 31 Booten am Start. Vom Ruderboot über Paddelboote bis hin zum Drachenboot war alles vertreten. Die Ruderer stellten die größte Gruppe.

Die Rudereiner, -zweier und -dreier sowie alle Paddel- und Drachenboote durften bereits um 5 Uhr starten. Wir waren noch solange ganz entspannt bis wir festgestellt haben, dass wir statt um 6 Uhr schon um 5:30 Uhr starten würden. Kaum war der Startschuss gefallen, hat Wolfgang bereits seinen Rennschlag vorgelegt. Der Rest der Mannschaft dachte nur, dass kann ja was werden. 165 km Sprintregatta. Udo als Steuermann hat dann gleich bei der Ausfahrt aus dem Hafen die Konkurrenz ins Gebüsch gedrängt. Dies nur aufgrund der Mahnung Fannis beim Start zu zeigen was wir können.

Ja und dann begann mit der Ausfahrt aus dem Hafen auf der Donau die sportliche Herausforderung oder der Wahnsinn, je nachdem wie man es sieht. Von Fanni gab es klare Vorgaben. Trinkpausen nur alle 1½ Stunden. Dies wurde von Rike bis zu dem Zeitpunkt strengstens überwacht als von Wolfgang eine klare Ansage kam, dass sein Allerwertester öfter Pause braucht und man ja beim ersten Mal nicht gleich gewinnen müsste. Da hatte er die Rechnung aber ohne Udos und Rikes sportlichem Ehrgeiz gemacht. Als ihnen nach ca. 30 km klar wurde, dass wir echte Chancen auf einen Stockerlplatz hatten, gab es kein Halten mehr. So begann der Kampf zwischen Wolfgangs und Fannis Bedürfnis, ihren Po zu lüften und Udos und Rikes sportlichem Ehrgeiz in Führung zu bleiben. Unsere hart erkämpfte Führung bekam dann einen ziemlichen Dämpfer, als wir bei einem 14 Minuten Boxenstopp von zwei unserer Gegner überholt wurden. Da hat Udo sein Gemüt erst einmal mit einem Bad in der Donau abgekühlt. Wieder auf dem Wasser nahmen wir die Verfolgung der beiden Boote auf.
Als wir dann wenige Kilometer später das erste der beiden Boote beim Boxenstopp überholt haben, war das Rennen wieder offen. Da hieß es nur noch Fannis Budapester Ruderkollegen einzuholen. Die Vier haben es uns wirklich nicht einfach gemacht, aber am Ende fehlte ihnen die Kraft, bei unserem Tempo mitzuhalten und wir lagen nach ca. 30 Minuten wieder in Führung bei den Mixed Vierern.

Wie Fanni uns vorher gesagt hatte, waren die ersten 100 km schnell gerudert. Dann wurde es zäh und die Kilometer zogen sich. Die Donau ist zwischen Budapest und Baja ziemlich eintönig. Das Ufer ist bewaldet, es gibt wenig Städte und Dörfer und am ganzen Tag sind uns nur ca. 10 Schiffe begegnet. Mittags wurde es dann immer heißer und heißer. Und auch die Squeezis (Energiegels), die Manni für uns eingepackt hatte, zeigten nicht die erwünschte Wirkung. So haben wir uns dann die restlichen 65 km von Pause zu Pause gekämpft und geschaut, dass unsere Gegner nicht zu nahe kamen. Zum Schluss hat Wolfgang dann doch noch der sportliche Ehrgeiz gepackt und die Schlagzahl stieg von Minute zu Minute weiter in die Höhe.

Nach 11 Stunden und 44 Minuten haben wir nicht nur Baja erreicht, sondern waren auch das schnellste Mixed Ruderboot. Nur 5 Männer-Einer, -Zweiter und -Dreier waren schneller als wir.

Der Zieleinlauf in Baja war für uns sehr emotional. Es wurde für jedes Boot der Name des Vereins und die Namen der Mannschaftsmitglieder ausgerufen und dann „We are the Champions“ gespielt. Sehr ergreifend. Das wurde dann noch dadurch gesteigert, dass wir von netten Mädels und Buben mit eiskaltem Saft am Floß empfangen wurden. Während wir noch unseren kalten Saft genossen haben, konnten wir gar nicht so schnell schauen wie ganz viele helfende Hände unser Boot aus dem Wasser gehoben haben. Wir sind schon bei vielen Regatten gestartet, aber so einen Empfang hatten Wolfgang, Udo und Rike noch nicht erlebt.

Am Ende waren wir sogar so schnell, dass unser Landdienst, Rudi und Fannis Mutter mit Sara, noch gar nicht in Baja war. Wir lagen bereits völlig erschöpft im Gras, als die Drei in Baja ankamen. Wolfgang war dann kaum zu halten, als klar wurde, dass wir sogar schneller als Fanni, Rudi und Nathalie vor zwei Jahren im Mixed mit Fannis Freunden aus Budapest waren. Wer hätte gedacht, dass das möglich ist.

Für uns ging ein langer, anstrengender Tag mit viel spannender Gruppendynamik, einer Schreckminute in Bojennähe, der einen oder anderen beleidigten Pobacke, unzähligen Blasen an den Fingern, vielen ungegessenen Semmeln und einem emotionalen Zieleinlauf zu Ende.

Am nächsten Tag haben wir alle bewundert, die in Baja bei der Sprintregatta um den Sieg gekämpft haben. Wir haben noch eine kleine Ausfahrt in den Nationalpark gemacht und uns am Abend bei der Siegerehrung über unseren Sieg gefreut und die bereits erwähnte Fischsuppe gegessen.

Ein ganz großer Dank an Rudi, der uns als Landdienst unterstützt hat und an Fannis Mutter, die sich um Sara gekümmert hat. Ohne die Unterstützung der beiden hätten wir nicht starten können.

Kaum hat sich Rike ihren Budapest–Baja-Traum erfüllt, denkt sie schon an neue sportliche Herausforderungen. Wie wäre es nächstes Jahr mit 160 km bei der Tour du Lac auf dem Genfer See?

Rike

Zu den Fotos …

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