Mit den Normannen auf Unstrut, Saale und Elbe

Im Vorjahr wurde aus der Wanderfahrt der Normannen wegen Hochwasser eine kurze Besichtigungstour. Diesmal aber hat alles geklappt und wir erlebten eine wunderschöne Wanderfahrt: 243 km von Roßleben an der Unstrut bis Magdeburg/Elbe. Der Wasserstand spielte ebenso mit wie großteils auch das Wetter. Kein Wunder, dass gute Stimmung herrschte unter den zehn Teilnehmern von sechs verschiedenen Vereinen (Normannen – Fritz, Wolfgang, Donauhort – Eveline, Henrike und Alfred, Lia – Ernst, Lutz, Ister Linz – Karl, Spandauer RC Friesen – Monika, RV Sparta Klein Köris – Andreas).

Da nicht alle am selben Tag anreisten, wurde der erste Tag zur Erkundung der Umgebung unseres ersten Quartiers in Laucha verwendet. Und da gibt es viel zu sehen. Beeindruckend das Kloster Memleben (Sterbeort Heinrich I.) mit teilweise noch erhaltener Klosterkirche, die Burg Querfurt, eine der größten mittelalterlichen Burgen Deutschlands. Sie wird in einer Urkunde Kaiser Ottos II. 979 erstmals erwähnt. Aber auch die wunderschöne Stadt Naumburg mit Renaissance-Rathaus, spätgotischer Stadtkirche, spätromanisch-frühgotischem Dom St. Peter und vielen prächtigen Bürgerhäusern hat viel zu bieten.

Am ersten Rudertag brachte uns dann ein Taxi samt Hänger nach Roßleben. Dabei mussten wir feststellen, dass auch Profis nicht so ohne weiteres mit einem Bootsanhänger umdrehen können. Der Schaden am Bremslicht des Hängers wurde dann aber während unserer Rudertour wieder behoben. Beim RV Roßleben konnten wir bequem aufriggern und einsetzen und ab ging es den „reißenden Strom“ (ca. 2 bis 3 kmh) hinunter Richtung Laucha. Die Unstrut zeigte sich von ihrer besten Seite. Als schmales Band schlängelte sie sich durch Wiesen und Wälder. Bei Burg Wendelstein gab uns die erste Schleuse einen kleinen Vorgeschmack auf die folgenden 21 Schleusen. Diese war bemannt und hatte schräge Wände, also keine Bootshaken verwenden und in der Mitte halten. Bei Kilometer 40 waren dann die Steuerleute gefragt, denn bei der Straßenbrücke Memleben drückte die Strömung kräftig gegen den rechten Pfeiler. Aber wir hatten am Vortag diese Engstelle besichtigt und passierten sie dann auch ohne Probleme.

Zurück in Laucha erwarteten uns schon Monika und Andreas, die am ersten Rudertag noch nicht dabei sein konnten, und halfen uns, die Boote im Bereich der Schleuse Tröbsdorf zu lagern. Der Tag klang aus in gemütlicher Runde im Gasthaus Schifferklause.

Am nächsten Tag ging es noch ein kleines Stück die Unstrut entlang bis zur Einmündung in die Saale und dann weiter auf der Saale, die sich in diesem Bereich allerdings nicht sehr von der Unstrut unterschied. Ein wenig breiter, aus 2-3 kmh waren 3-4 geworden und weiter keine Schifffahrt, also sehr gemütlich. Vier Schleusen boten reichlich Abwechslung und Gelegenheit, das Ausfahren durch schmale Schleusenkanäle zu üben. Besonders Andreas zeichnete sich hier aus. Im Spreewald gibt es offensichtlich genügend Übungsmöglichkeiten. In Weißenfels wurden wir dann vom Quartiergeber abgeholt, spekulierten beim Aufstieg zum Zimmer darüber, ob es sich hier um eine Treppe oder doch eher eine Leiter handelte und ließen den Tag polnisch bei Bier und Wein ausklingen.

Am nächsten Tag erwarteten uns auf der Fahrt nach Merseburg 6 Schleusen. Da bekommt man schon Übung. Die Schleusen an der Saale sind teilweise bemannt, teils auf Selbst- oder Fernbedienung umgestellt. Alles kein Problem, wenn man nicht zur Mittagszeit (bei Regen) an eine fernbediente Schleuse kommt. Da kann es schon auch einmal eineinhalb Stunden dauern. Aber noch war es nicht so weit. Das Wetter war schön, die Landschaft malerisch und auch die Industrieruinen fügten sich gut ins Bild. Nach 33 km begrüßte uns weithin sichtbar das vieltürmige Dom- und Schloss-Ensemble von Merseburg. Bei der Merseburger RG wurden wir sehr nett empfangen, Woschi hatte Gelegenheit zu einem Flaggentausch, unser Gepäck wurde zum Hotel transportiert und ein gemütliches Abendessen am Fluss beschloss den Tag. Was will man mehr!

Der vierte Tag war kurz, denn das Ziel war Halle und der  Nachmittag für die Besichtigung reserviert. Da wanderten wir über den Alten Markt mit Bauten aus der Renaissance, vorbei am roten Turm, dem Wahrzeichen der Stadt, besuchten die 4-türmigen Marktkirche, deren zwei Türme früher zu zwei verschiedenen Kirchen gehörten und vieles mehr.

Am nächsten Tag trübte sich das Wetter allmählich ein, aber 4 Schleusen boten wieder Abwechslung, dazwischen zogen beschauliche Aulandschaften an uns vorüber, aber auch verlassene Fabriken und auch ein VW-Werk in Betrieb. Beim Warten auf eine Schleuse unterhielt uns sogar ein Biber, der sich, gar nicht scheu, von uns offensichtlich mehr erwartete als nur ein Foto. Bei der Landung  in Wettin unterhalb der Gierseilfähre begann es dann leicht zu regnen. Die Erkundung der Burg musste schon im Regen stattfinden und der hielt dann die ganze Nacht und mit kurzen Unterbrechungen auch am nächsten Tag an.

In der Früh hieß es zuerst die voll gefüllten Boote auspumpen oder ausschöpfen. Dann ging es im Regen aufs Wasser und das blieb so bis Bernburg. Wirklich trüben konnte der Regen unsere Stimmung nicht, wenngleich es für die Steuerleute nicht sehr lustig war. Auf jeden Fall war es ein guter Test für die Bootssäcke, den nicht alle bestanden haben. Zum Glück war unser Gastgeber in Bernburg, Pension Berlin, ein Ruderer und der wusste, was in so einem Fall notwendig ist – Heizung hochdrehen und Trocknen der Sachen.

Damit war der Regen aber auch wieder vorbei. Auf dem Weg zu den Booten besichtigten wir am nächsten Morgen noch Schloss Bernburg. Das Renaissanceschloss, auch die Krone Anhalts genannt, auf hohem Sandsteinfelsen am östlichen Saaleufer stehend, begleitete uns noch lange auf unserem weiteren Weg zur Einmündung der Saale in die Elbe und damit zu unserer letzten Station vor Magdeburg. Das kleine Städtchen Barby liegt gleich nach der Einmündung der Saale. Knapp hinter der Gierseilfähre gehen wir an Land, stellen fest, dass ein Kanusteg nicht unbedingt für C-4er geeignet ist und machen uns auf den Weg zur „Stadt“. Das Gepäck wurde wieder transportiert. Die Nacht in Omas Heuhotel wird zumindest denen, die tatsächlich auf Heu geschlafen haben, in Erinnerung bleiben.

Nach einer ruhigen Fahrt bei schönem Wetter und auch hier nur geringem Schiffsverkehr ging die Wanderfahrt am nächsten Tag bei der RG Alt-Werder Magdeburg zu Ende.

Herzlichen Dank an Fritz für die perfekte Planung und Organisation dieser wirklich wunderschönen Wanderfahrt.

Alfred

Zu den Fotos …

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