WIEN – BUDAPEST interruptus …

Heuer waren wir zu dritt, weil Fritz Nedved (STAW) schon so viel aus unseren Erzählungen gehört hatte, dass er die Strecke Wien – Budapest auch einmal „live“ erleben wollte.

Weil nur ich über die für Schleusungen zwingend vorgeschriebene Schwimmweste verfügte, mussten wir beim Kraftwerk Freudenau übertragen und konnten nicht über die Schleuse bei Nussdorf in den Donaukanal. Ansonsten entschieden wir uns auch heuer wieder für die „direttissima“ mit insgesamt 300 km über das alte Donaubett bei Gabcikovo und durch den Szentendre-Arm. Infolge des stürmischen Wetters waren es dann nur 227 km.

1. Tag: 68,6 km: DOH (km 1933,6) – Übertragung Freudenau – Pressburg 4. Hafen (km 1865)
2. Tag: 75 km: Übertragung bei km 1842: Pressburg – Gönyü (km 1790)
3. Tag: 72 km: Gönyü – Esztergom (km 1718)
4. Tag: geplant: 48 km: Esztergom – Szentendre (km 1718 – km 1692 und km 32 – km 10)
tatsächlich: 11 km: Esztergom – Pilismarót/Szob (km 1718 – km 1707) >> Abbruch
gänzlich entfallen ist der
5. Tag: 35 km: Szentendre – Hárosi Kikötö (km 10 – km 0 und km 1658 – km 1633)

Als Boot suchten wir uns den hellblauen Doppel-Dreier „Eduard Ast“ aus, ein Boot, das noch aus der Werkstatt von Seppi Swoboda stammt und für Wander- und Abendteuerfahrten mehr als bestens geeignet ist.

In der Vorbereitung wählten wir passende Holzruder und Rollsitze, um das im Donauhort schon ein wenig stiefmütterlich behandelte Boot zu komplettieren.

Am Sonntag 22.7. legten wir bei herrlichem Sonnenschein schon kurz nach 8 Uhr beim Donauhort ab und fuhren soweit als möglich am rechten Ufer, um dem ziemlich heftigen und böigen Seitenwind auszuweichen. Je näher wir der Übertragestelle in der Freudenau kamen, desto stärker wurde der Wind und desto höher die Wellen mit leichten Schaumkronen. Auf den letzten 50 Metern war das Boot schnell halbvoll mit Wasser. Im Unterwasser erwartete uns eine wesentlich bessere Situation. Der seitliche Schiebewind blies uns förmlich in Rich-tung Pressburg, wo wir schon sehr bald ankamen, obwohl wir ab der Marchmündung nur mehr schwabten. Wie üblich nahmen wir im Hausboot unseres Freundes Christian Quartier. Nach einer guten Dusche gab es bei Milan auf dem Bootsrestaurant eine herrliche Leberknödelsuppe, gemischtes Grillfleisch mit Salat und einige köstliche Krügel Bier.

Bis Montag 23.7. in der Früh hatte der starke Wind nachgelassen, die Sonne strahlte. Zum Frühstück gab’s Ham and Eggs von drei Eiern. Dann versorgten wir uns mit Wasservorräten und einem Jausenpackerl bevor wir ablegten. Wir trauten unseren Augen nicht, denn wir hatten, bei Windstille herrliches Ruderwasser bis zur Dotierungsanlage für die Moson-Duna und das alte Donaubett.

Wie sonst üblich hob sich kein Wind und das Wasser der jetzt schon sehr breiten Donau blieb spiegelglatt bis zum Übertrageplatz ins alte Donaubett (bei km 1842); schier unglaublich, wenn ich mich an Vorjahreserlebnisse erinnere. Nachdem wir das Boot ins alte Donaubett übertragen hatten, gab’s ein kühlendes Bad und weiter ging’s in dem etwa 30 km im alten Donaubett. Auch hier herrschte nahezu Windstille und natürlich gibt es dort keinerlei Schiffsverkehr.

In Gönyü angekommen, wieder mein üblicher Anruf vom Handy und der Hotelier vom „Anker“ holte uns wieder mit seinem PKW vom Anlegeplatz ab, nachdem wir das Boot für die Nacht sicher im Garten des Bürgermeisteramtes abstellen durften. Fritz schloss sich bereitwillig unserem Traditionsmenü an und bereute es nicht: Zuerst eine köstliche Wels-Fischsuppe und danach Topfenfleckerl mit heißen Grammeln, dazu ausreichend ungarisches Fassbier.

Am Dienstag (24.7.) schien schon wieder die Sonne und wir hatten herrliches, heißes, Ruder-wetter. Auf der gesamten Etappe und auch im Bereich von Komarom war das Wasser fast spiegelglatt. Es gab kaum Wellen und bestenfalls Fahrtwind.

Im Gran-Camping von Esztergom hatten wir ein Dreibett-Zimmer reserviert. Nach unserer Restaurierung durch eine warme Dusche und einer kurzen Rast gingen dann gleich ins Restaurant des Campingplatzes, weil ein heftiger Platzregen weitere Spaziergänge unmöglich machte. Als der Regen nach dem Essen aufgehört hatte, gingen wir zum nahegelegenen Was-sersport- und Ruderverein von Esztergom, um den Präsidenten, Herrn Mármarosi Gyözö, zu besuchen (ein Freund unseres Freunde Mirko Wlasitsch von Wassersport Club in
Mosonmagyaróvár).

Wir wurden herzlichst empfangen und plauderten bei einer Flasche köstlichen ungarischen Weines. Doch ein wenig müde von den ersten drei Etappen (220 km) und der Hitze schlüpften wir wieder sehr zeitig ins Bett.

Am Mittwoch (25.7.) nahmen wir im Camping-Restaurant ein gutes ungarisches Frühstück ein und wagten uns trotz heftigem NNW-Wind oder –Sturm aufs Wasser. Gleich nach dem Ablegen übersetzten wir und fuhren im Windschatten des slowakischen Ufers einigermaßen ruhig dahin. Nach der ersten großen Kurve hatten wir uns und der Wind sich ein wenig ge-dreht, sodass wir wieder zum rechten Ufer übersetzten. Dort wurde es immer schlechter, denn der Wind hatte sich schon wieder gedreht und die Wellen liefen uns nach; jetzt mit Schaum-kronen verziert. Dadurch, dass sie sich an den Auslegern brachen, bekamen wir nach und nach immer mehr Wasser ins Boot, bis es schon bis zu den Fersenhaltern am Stemmbrett stand und auch der hintere Gepäckraum zu 1/3 gefüllt war. Auf der Höhe der Autofähre Pilismarót-Szob entschieden wir kurzer Hand anzulegen und zunächst auszuleeren.

Als wir das Wasser ausgeschöpft hatten kam ein Kanufahrer das Ufer entlang. Er fuhr nicht im Boot, sondern ließ es, am Bug und Heck mit einer Leine haltend, vor sich im Wind quer zur Fahrtrichtung vorantreiben und er lief, bis zu den Oberschenkeln im Wasser watend, hin-terher. Auf unsere Frage meinte der Deutsche, dass er bis um die nächste Kurve (ca. 4-5 Km!) kommen wollte, dort sollte es windgeschützter sein.

Wir warteten weiter ab. Da legte ein Motorboot an. Der Budapester Eigner wollte nicht mehr weiter und meinte, das Boot wäre bei dem Wind und den Wellen zu unsicher, seine Frau käme mit dem Anhänger ihn abzuholen. Mit meinem spärlichen Ungarisch konnte ich mich mit ihm einigermaßen unterhalten. Er meinte auch, dass dieser Sturm noch morgen am Donnerstag herrschen sollte (laut Wetterbericht). Also folgerten wir daraus, dass heute kaum ein Abflauen zu erwarten sei, wir daher auch nicht am späteren Nachmittag bis Szentendre rudern könnten. Und morgen Donnerstag wäre bei einem solchen Wind schon gar nicht an die Durchfahrt in Budapest zu denken.

Der „Kriegsrat“ unter uns Dreien ergab, dass ich im Fährengasthaus nach einer Einstellmög-lichkeit für das Boot fragen sollte und diese auch sofort angeboten bekam. Der Budapester Motorbootfahrer bzw. seine Tochter offerierte uns, als Danke für unsere Hilfe beim Heraus-slippen seines Bootes, die Mitfahrgelegenheit im Auto bis zu unserem Quartier in Szentendre an.

In Szentendre machten wir den obligaten Rundgang durch die malerische Kleinstadt. Dann telefonierte ich mit Eszter, welche gerade bei ihrer Schwester in Budapest zu Besuch war. Spontan luden uns die Beiden zum Nachtmahl ein, was wir natürlich gerne annahmen und eine Reise mit der Vorortebahn „HEV“ machten.
So konnte Fritz die Donau durch Budapest fließen sehen, zwar nicht vom Boot aus, dafür vom wunderschönen Battyany-Platz aus, gleich gegenüber dem Parlament. Nach einem sehr guten und heiteren Abend fielen wir dann, wieder mit Straßenbahn und der HEV zurückgefahren, gegen 1 Uhr morgens ins Bett.

Am Donnerstag (26.7.) war das Wetter, kaum zu glauben, ganz anders als vorhergesehen: strahlend und windstill! Leider hatten wir kein Boot, also gab’s keinen Morgenstress, sondern ein spätes ausgiebiges Frühstück und ein wenig Warten, bis unser lieber Freund Peter Hettinger mit dem Anhänger kam uns abzuholen (Natürlich hatte ich ihn rechtzeitig umdiri-giert, dass er nicht zum Ziel in den Harosi-Hafen, sondern zum Hotel Róz nach Szentendre kommen solle.).

Gemeinsam fuhren wir zum Boot ins Fährengasthaus und dann, unterbrochen durch ein köst-liches Mittagessen, bis nach Hause in den Donauhort.

Danke lieber Peter für den Freundschaftsdienst des Abholens mit dem Anhänger.

Alles in Allem waren das wieder wunderschöne Tage auf unserer geliebten Donau, es war eine „Wanderfahrt – interruptus“ mit viel Kameradschaft und dem üblichen „sportlichem touch“.
Und wie wird das 2008 – für mich vielleicht ein 12. Mal?

Wien, im Juli 2007
Dkfm. Dominik Loss (Nino)
WRV Donauhort

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