Herbstwanderfahrt für EinsteigerInnen

Es war ein schöner, warmer Freitagmittag im Oktober, als Bernhard & Eva, Kristin und ich mit dem Loki in Richtung Tulln aufbrachen. Die Sonne schien sehr warm und unaufhaltsam auf die glitzernde Wasseroberfläche, als wir dem Alltagsstress davon ruderten. Doch unsere Idylle wurde für einen kurzen Augenblick zerrissen, als es plötzlich knirschte. „Rinnt es wo rein?“ „Nein, es SPRUDELT!!!“ Und dann lag sie hinter uns: die 40er Buhne, meine große Hass-Liebe, in all ihrer friedlich wirkenden Schönheit.

Und während wir langsam begannen, voll zu rinnen, steuerte Bernhard dem rettenden Steg der Piraten entgegen. Die Tragik dieses Momentes war mit der unendlichen Schönheit des angebrochenen Tages kaum zu vereinbaren … Aber wir machten das Beste daraus und das Leck konnte provisorisch geklebt werden. Power-Tape sei Dank!

Trotz Strömungswiderstand und etlicher streng-prüfender Blicke unseres Bootsmannes hielt das Tape der Belastung Stand und wir erreichten unser Ziel in Tulln gut gelaunt und bärenhungrig.

Der zweite Tag begann kühl und nebelig. Dass das hübsche Hundertwasser-Schiffchen namens „Regentag“ hier im „Hafen“ stand, war wohl eine Ironie des Schicksals. Und während wir den Loki zu Wasser trugen, beluden und später „in See“ stachen, verschwanden die beiden Dreier der Herbstwanderfahrt nach wenigen Metern im dichten Nebel.

Gelegentlich von aufreißenden Nebelschichten begleitet, ruderten wir an etlichen Buhnen und dem „malerischen“ AKW Zwentendorf vorbei, und übertrugen noch  in den Altarm bei Altenwörth. Da wir als „Einsteiger-Boot“ galten, hatten wir nun eine wichtige Entscheidung zu treffen. Kräfteschonend umkehren oder weiter fahren? Und obwohl die Sonne für kurze Momente durchzubrechen schien, kehrten wir schweren Herzens um. Geschwächt von dieser Kräftezehrenden Entscheidung verbrachten wir dann die längste und wohl wärmste Etappe dieses Tages im Kaffeehaus. Diverse süße Verlockungen bleiben hier zensiert.

Und auch der dritte Tag blieb nebelig. Zudem wirkte es relativ kühl und das Donauwasser hatte nur gefühlte +13°C. Das weiß die arme Kristin, die beim Beladen des Bootes am Schlamm und Algenschlick ausrutschte. Iiiiiiiiiiiii. Schnell umgezogen, Start.

Trotzdem ließen wir uns keinen Moment die Laune verderben, während die Uferböschung an uns vorbei zog und der Nebel in unmittelbarer Entfernung witzige Grimassen schnitt.  Und die Strömung begleitete uns geduldig bis zum letzten Zwischenstopp beim Strandbad Kritzendorf. Bei vier wunderbar duftenden und riesen-großen Suppentöpfen ließen wir dieses abenteuerliche Unternehmen ausklingen, bevor wir uns die Füße noch einmal nass machten, den Loki wasserten und zum Abschluss einem Trainings-Rennzweier in Richtung DHO nachjagten.

Wir danken unserem Bootsmann Bernhard und Eva für ihre scheinbar endlose Ruhe und Geduld mit uns „Neulingen“ und vor allem für die Organisation und die Möglichkeit, an dieser Herbstwanderfahrt in gemütlichem, „kilometer-abgespecktem“ Rahmen teilnehmen zu können.

Bärbel

Gedanken des Fahrtenleiters:

Heuer bin ich geschäftlich bedingt erst spät, im Zuge der Stromstaffel, in unser Rudergeschehen eingestiegen. Dabei lernte ich von unseren vielen neuen Mitgliedern zwei – Kristin und Bärbel – ein bisschen kennen und ihren Wunsch auch einmal eine Wanderfahrt für Einsteiger zu unternehmen.

Was tun, vier Tage vorher? OK – es darf  anstrengend sein,  es darf auch (ein bisschen) weh tun – aber unsere klassische Herbstwanderfahrt in die Wachau ist definitiv zu viel für den Anfang. Also Tulln 2 x als Standquartier – damit ist Hin- und Rückfahrt mit 30 km überschaubar und der Samstag als „langer“ Tag flexibel planbar.

Damit waren auch all die vielen „neuen“ Aktionen – Übertragen des Bootes am Kraftwerk, Anlandungen für Pausen und Abend etc. – zeitlich entspannter und gelangen ohne Probleme und in bester Stimmung. Zusätzlich wurde noch ein ungeplanter  Bootsschaden trotz Wassereinbruch im Boot und sehr hohem Piratensteg zackig behoben.

Letztendlich sind wir in den 2,5 Tagen mehr als 100 km gerudert, Bärbel und Kristin freuten sich auch über ihre bis dahin größte Tagesstrecke von 41km – eine sehr schöne Leistung! Für mich war es eine wirklich schöne Fahrt, super Teamgeist und schönes Rudern.

Schlussgedanken: Für mich ist eine Fahrt ein Erfolg, wenn wir eine schöne Zeit und viel Spaß zusammen gehabt haben und alle (☺) denken: „Schade, dass es schon vorbei ist, macht aber nichts, wird ja hoffentlich bald wieder so eine Fahrt für uns geben“ – UND DAS WIRD ES GANZ SICHER.

Bernhard

Zu den Fotos …

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