Wien – Budapest 2011

Im Vorjahr mussten wir am Vorabend der geplanten Wanderfahrt wegen des drohenden Hochwassers ganz kurzfristig aufgeben. Heuer waren die Sterne günstig und der Wasserstand optimal und so wiederholten wir die schon 2009 sehr gelungene „Teamarbeit“ von Donauhort und STAW im C-Vierer, zu fünft gerudert, nachdem ich seit dem Vorjahr wieder voll einsatzfähig bin! Dafür hatte sich, wie bereits berichtet, mein „Wien-Budapest-Zwilling“ und lieber Freund Karl Hofmann bei einem unglücklichen Sturz im Mai in Prag gleich vier Rippen gebrochen. Er musste sogar mehrmals ins Spital und auch operiert werden, ist jetzt aber wieder okay, doch das Rudern verboten ihm die Ärzte bis Mitte August.

Gábor Onuska und Fritz Nedved von der STAW, sowie vom Donauhort Bernhard Reinelt und ich waren Fixstarter. Wir hätten den C-Vierer auch zu viert fahren können, doch zu unserem Glück sprang Eva Reinelt ein und wir waren fünf!

Geplant war die Abfahrt für Montag, 1. August, vom Donauhort und Ankunft in Budapest/Hárosi am Freitag, 5. August, zu Mittag. Für den Rücktransport des Bootes konnten wir zu unserer übergroßen Freude Christian Scherney vom Donauhort gewinnen, der einwilligte, uns am mit dem 7-sitzigen Vereinsauto und Hänger am Ziel unserer Fahrt abzuholen.

Wie schon öfters fürchteten wir auch heuer wieder das Wetter, denn lange Etappen bei Regen und starkem Wind sind nicht gerade erfreulich. Auch wenn ich mich widerhole: Wie heißt es doch? „Wenn Englein reisen …“ Vielleicht auch weil Eva als unser Maskottchen mit von der Partie war? Wenn wir den Regen am ersten Tag verdrängen, hatten wir an den restlichen 4 Tagen oder 235 km immer beinahe Windstille, daher glattes Wasser und sehr sonniges Wetter. Für die Hitzeempfindlichen waren die Temperaturen sogar gemäßigt.

1. Tag: 65 km:    DOH (km 1933,6) – Übertragung Freudenau – Preßburg/Ruderverein, am rechten Ufer bei der Brücke (km 1869)

2. Tag: 78 km:    Übertragung bei km 1842: Preßburg – Gönyü (km 1791)

3. Tag: 70 km:    Gönyü – Esztergom (km 1719)

4. Tag: 52 km:    Esztergom – Szentendre (km 1719 – km 1691,5 und km 32,5 – km 10)

5. Tag: 35 km:    Szentendre – Hárosi Kikötö (km 10 – km 0 und km 1658 – km 1633)

1) Am Montag (1. 8.) starteten wir bereits kurz vor 9 Uhr vom Donauhort. Nach der Übertragung in der Freudenau setzte leichter Regen ein, die Mittagsrast im Hafen von Deutsch-Altenburg (um nicht vom Twin-Cityliner mit seinen schrecklichen Wellen überrascht zu werden) war dementsprechend ziemlich feuchtkalt und ungemütlich. Auf den letzten 20 km bis Bratislava hörte der Regen auf und wir kamen bald zum Ruderverein in Bratislava, wo uns der Trainer Martin Verdonic freundlich erwartete und das Boot wieder im Bootshaus für die Nacht abstellen ließ.

Zimmer hatten wir wieder im nahe gelegenen Hotel Incheba reserviert. Nach der erfrischenden Dusche machten wir den obligaten Altstadtbummel. Nachdem das uns bekannte, an den Ruderverein angrenzende Restaurant geschlossen hatte, empfahl Martin uns das noch schönere und bessere Restaurant „Leberfinger“ etwa 200 Meter unterhalb der Brücke am rechten Donauufer.

2) Dienstag (2. 8.) in der Früh weckte uns strahlender Sonnenschein mit beinahe Wind­stille, die uns, wie schon gesagt, die nächsten 4 Tage begleiten sollten. Gegen 9 Uhr nahmen wir die 78 km der Tagesetappe in Angriff, nachdem wir noch Klebestreifen als Wellenbrecher an den Auslegern angebracht hatten. Zu unserer großen Freude trafen wir beinahe spiegelglattes Wasser und kaum Schifffahrt an, sodass diese Vorsichtsmaßnahme sich unnötig erwies. Das Übertragen ins alte Donaubett (bei km 1842): war heuer wieder deutlich beschwerlicher als in den Vorjahren – nicht wegen des C-Vierers und unseres um 2 Jahre höheren Alters, sondern wahrscheinlich deshalb, weil die Übertragestelle im Unterwasser überhaupt nicht gepflegt wird und die getrocknete Schlammschichte viel höher war als noch vor 2 Jahren. Als Entschädigung dafür kam jetzt über die nächsten 30 km ein herrliches Dahingleiten im alten Donaubett. An der Einmündung in die Fahrrinne machten wir eine längere Pause an einer Sandbank, doch das erfrischende Bad ließen wir diesmal, wegen der moderaten Temperatur, aus. Auch nicht so schlecht, denn wir merkten, dass sich die Gelsen ebenfalls ein wenig zurückhielten.

Nach stolzen 78 km, der längsten der 5 Etappen,  in Gönyü angekommen, folgte wieder mein üblicher Anruf in der Pension „Anker“ und beide, Senior- und Juniorchef, holten uns mit dem PKW vom Anlege­platz ab. Das Boot durften wir im Garten der Bürgermeisterei (vielleicht kann man Rathausgarten dazu sagen), unmittelbar beim Anlegeplatz, für die Nacht abstellen. Im „Anker“ ist uns (mir seit beinahe 15 Jahren) soweit Alles vertraut und so gab es am Abend das traditionelle Menu: köstliche Wels-Fisch­suppe, anschließend Topfenfleckerl mit heißen Grammeln, sowie der eine oder andere Nachtisch. Als Getränk wurde ausreichend kühles, ungarisches Fassbier serviert.

3) Dienstag (3. 8.): Erneut Traumwetter und beste Ruderbedingungen, wie gehabt. Vorbei ging es an der Zitadelle von Komarom zum Gran-Cam­ping nach Esztergom wo ich ein Zweibett- und ein Dreibett-Zimmer reserviert hatte. Das Boot durfte wie üblich auf dem Gelände über-nachten. Nach Dusche und kühlem Bier machten wir uns auf den Weg zum Dom. Dann stellten wir leider fest, dass unser Stammlokal geschlossen hatte. Also kehrten wir zum Campingplatz zurück und ließen uns im dortigen Restaurant verwöhnen.

4) Am Mittwoch (4. 8.) gab es im Restaurant am Camping Platz erst um 8 Uhr das herrliche, ungarische Frühstück und jeder bekam ein Jausenpackerl mit belegten Sandwiches, Paradeiser und Paprika. Als wir losfuhren kam ein wenig Wind auf und wir hatten schon Bedenken bezüglich der Wellen im Raum von Szob, wo Fritz, Karl und ich vor ein paar Jahren aufgeben mussten. Ich steuerte am rechten Ufer entlang und, angesichts des Wasserstandes, getraute mich auch über die riesige Pune rechts, sodass wir immer entlang des rechten Ufers fahren konnten. Auf einmal hatte sich der Wind wieder gelegt und wir glitten wieder über das Wasser dahin – wie schon öfters auf dieser Fahrt. Nachdem wir die Donaufähre von Pilismarót nach Szob passiert hatten, waren wir erstmals zur Gänze in Ungarn (Anmerkung: bis hier war auf dem linken Ufer noch immer die Slowakei und nur rechts Un­garn). Heute war das Wasser sogar im Donauknie Nagymaros-Visegrád und anschließend im Bereich Visegrád herrlich ruhig. Nicht einmal der obligate Visegráder-Gegenwind pfiff uns um die Ohren. Dann bei der Ein­fahrt in die Szentendre-Donau legten wir am linken Ufer an der Sandbank an und machten ausgedehnte Mittagsrast. Nun hatten wir noch 22 km bis zum Etappenziel nach Szentendre und wurden auch zeitweise mit einigen Regenspritzern bedacht. Hier legten wir am üblichen Platz an, verluden Boot und Gepäck auf unser Bootswagerl und begannen den Weg zum Hotel Róz. Plötzlich, beim Versuch mit dem wohl überladenen Wagerl die Böschung hinauf zu kommen, gaben zwei der bereits bei der ersten Übertragung in der Freudenau verbogenen Stangen des Wagerls (von insgesamt 4) zur Gänze nach, eine knickte sogar ab: Nun hieß es Abladen, Boot abstellen und zunächst das Gepäck ins Hotel tragen, wo uns der Inhaber, Herr Varga László, wie immer sehr freundlichst begrüßte und ob unseres Missgeschickes mit dem Wagerl auch bedauerte. Dann trugen wir das Boot zu fünft über die 200 bis 300 Meter des Weges zum Hotel. Auch das gelang uns und wir stellten die Gudrun am bewachten Gästeparkplatz des Hotel Róz ab.

Um das Boot am nächsten Morgen nicht wieder zurück zum Wasser tragen zu müssen, ersannen unsere Techniker eine List: Herr Varga fand, als Überbleibsel einer Heizungsreparatur, ein entsprechend dickes Gasrohrstück. Dieses schnitten Bernhard, Fritz und Gabor mit einer geborgten Metallsäge zurecht und schienten die gebrochene Wagerlstange mit dem Rohrstück.

Fein gesäubert entschieden wir uns für den obligaten Rundgang in dem malerischen Künstlerstädtchen Szentendre und zielstrebig wollten wir zur „allerbesten Lángos­bude“. Doch leider waren wir auf Grund der Panne mit dem Bootswagerl später als sonst, d.h. knapp nach 18 Uhr. Doch die Lángosbude sperrt pünktlich um 18 Uhr. Es gab lange Gesichter und wir fuhren zurück zur feinen Küche des Hotel Róz. Nach mindestens einem Krügel Bier als Aperitif suchten wir uns Köstlichkeiten aus der feinen Speisekarte, wie z.B.: Rindsuppe mit Einlage, Zwiebel- oder Käsecremesuppe, anschließend gebratene Hühnerbrust oder Schweinsmedaillons, Welsgulasch mit Topfenfleckerl, begleitet nicht nur von Salaten, son­dern auch von mehreren Bierchen und/oder ein wenig Rotwein. Auch diesmal gelang es uns die nötige Bettschwere zu erlangen!

5) Am letzten Tag, Freitag dem 5. 8., stand die Etappe mit einem der Höhepunkte der Wanderfahrt auf dem Programm, nämlich die Durchfahrt durch Budapest. Das geschiente Wagerl hielt tatsächlich, wir beluden es aber nur mit Boot und Ruder. Das Gepäck holten wir anschließend zu Fuß. Am unteren Ende des Romai-part (Rö­merstrand) legten wir noch einen „technischen Halt“ vor Budapest ein. Die Durchfahrt durch Budapest mit dem Ruderboot war diesmal für Eva die Belohnung dafür, dass sie es 5 Tage mit uns 4 Buben tapfer ausgehalten hatte:

Die wunderschönen Bauten an beiden Ufern, die Berge Budas (Burg- und Gellértberg) und die Mächtigkeit des Donau­stromes, der mit­ten durch diese wunderbare Stadt fließt. Gábor gab uns wieder ausführliche Erläuterungen über sein Budapest „Aus der Perspektive des Ruderers betrachtet“.

Und dann nachdem wir Budapest durchquert und nur mehr etwa 10 km zu Rudern hatten, erhielt Bernhard einen Anruf von Christian: Er sei schon knapp vor Budapest, hätte jedoch auf der Autobahn ein Vorderrad des Autos verloren! Zum Glück ist ihm sowie dem Auto und Hänger weiter nichts geschehen. Er werde jetzt zu einer Werkstatt geschleppt und melde sich wieder. Wir waren einiger Maßen geschockt, freuten uns aber, dass es keine weiteren Schäden gegeben hatte, vor allem weder an Christian noch an Dritten und stellten uns auf einen Nachmittag des Wartens im Hárosi-Kikötö (Hárosi-Hafen) ein. Dort legten wir um etwa 12.20 Uhr an. Zuerst machten wir das Boot für die Verladung bereit, dann gab es kühle Getränke und eine gute Dusche. Stadtfein gemacht servierte uns die Betreiberin des Yachthafens Nemes Anikó ungarische Bohnensuppe mit Bier, köstliche Marmelade-Palatschinken und anschließend Kaffee. Wir waren noch nicht mit dem Essen fertig, als sich Christian wieder meldete und kurz darauf auch tatsächlich mit dem reparierten Auto ankam. Auch er bekam unser Hárosi-Menu und musste den Hergang des Unfalls genau schildern.

Als das Boot aufgeladen und wir alle im Auto verstaut waren, fuhr uns Christian sicher zurück in den Donauhort nach Wien.

Wie schon die letzten 13 Mal danke ich Euch Eva, Bernhard, Fritz und Gábor für diese wieder etwas andere, aber sehr schöne und harmonische Fahrt. Den für uns üblichen „sportlichen Touch“ durfte Karl heuer leider nicht genießen. Wir alle hoffen, dass er 2012 wieder mit von der Partie ist.

Nino

(Dieser Beitrag erscheint auch im Ruderreport des Österreichischen Ruderverbandes)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.