Ruderparadies zwischen Barockschloss und jüdischem Friedhof

Auf dem Thaya-Stausee bei Vranov (Frain), Tschechien

Am Samstag, dem 16. April 2011, starteten vom Pirat-Boosthaus an der Donau 24 RuderInnen von Pirat, Donauhort und Waging, samt Bootsanhängern mit 2 Fünfern, 3 Vierern, 1 Dreier, 1 Zweier und 3 Einern. Die Fahrt ging über Znaim nach Bitov in der Mitte des Thaya-Stausees. Wir starteten vom noch verwaisten Campingplatz nach den üblichen Ritualen wie Boote-Abladen, Aufriggern und Einteilung der Mannschaften.

Am ersten Tag ruderten wir bei kühlem, wolkigem Wetter bis nahe an den Beginn des Stausees, in vielen Kurven, bei leichtem Wind jedoch in ruhigem Wasser, mit steilen und flachen Ufern, naturbelassen, die Bäume noch in zartem Grün, die Landschaft teilweise verschandelt durch unzählige Ferienhäuschen. Am Umkehrpunkt stillten wir unseren Hunger und Durst mit dem mitgeführten Proviant, auf einem romantischen Rastplatz in einem Au-Urwald. Nach Bitov zurück gerudert folgte noch ein Kulturprogramm, die Besichtigung des Schlosses in Vranov. Trotz unserer 1 1/2 stündigen Verspätung zeigte uns die Führerin sehr ausgiebig das Schloss mit dem Ahnensaal und alle eiskalten, nicht beheizten und beleuchteten Räume. Das Schloss wurde mit einigen wesentlich älteren Bauteilen im Auftrag der Althans von Fischer von Erlach erbaut. Jetzt gehört es dem tschechischen Staat. Es ist vorbildlich und sehr geschmackvoll restauriert, die vielen Innenräume mit stoffbezogenen Wänden, beleuchtet durch die herein scheinende Abendsonne. Abendessen, Nächtigung und Frühstück hatten wir in Savof (Schäfern) in einem katholischen Heim, ausgebauten ehemaligen Bauernhäusern, einfach und gemütlich, das Essen sehr gut. Savof ist ein kleiner Ort unweit der österreichischen Grenze.

Am nächsten Morgen, dem Palmsonntag, war es sehr kalt, der Himmel aber strahlend blau und wolkenlos. Als zweites kulturelles Erlebnis besuchten wir am Ortseingang den jüdischen Friedhof, ein riesiger Friedhof mit hunderten Grabsteinen, gelegen an einem flachen Abhang, im Hintergrund ein See. An den meisten älteren Grabsteinen waren keine Inschriften sichtbar, einige aus dem 20. Jh. hatten deutsche und hebräische Inschriften. Es herrschte eine eigenartige, etwas bedrückende Stimmung.

Wieder in Bitov angelangt ruderten wir bis zur Staumauer, dem Ende des Sees. Wieder hatten wir ein ideales Ruderwasser bei Sonne und leichtem Wind. Durch den mäanderförmigen Verlauf des Sees verliert man jede Orientierung, es geht vorbei an steilen Ufern und Felswänden, dann wieder an vielen Ferienhäusern. Nach dem Umkehren an der Staumauer rasteten wir auf einer großen Lagerwiese. Leider sind alle Gaststätten rundherum, aber auch die WCs geschlossen. Plötzlich kommt Werner und bringt die übrig gebliebene Verpflegung des Vortages, so dass wir alle satt wurden. Zurück waren wir sehr flott unterwegs und genossen jeden Ruderschlag. Beim Aufladen der Boote am Campingplatz stellten wir fest, dass eine Ruderin samt Boot fehlte. Doch dann war sie plötzlich da – sie hatte ihre eigene Route gerudert. Um ca. 20 Uhr waren die Boote wieder im Bootshaus verstaut.

Es waren zwei wunderschöne Ruder-Erlebnistage, situationsbedingt mit einer eher bescheidenen Ruderleistung von 56 km. Vom Donauhort machten mit: Evelin und Gerhard Roth, Eva und Bernhard Reinelt, Walter Grohmann. Ein besonderer Dank gebührt Daniel Drobil und seinen Mitorganisatoren, die diese fröhliche Ruder- und Kulturfahrt vorbereitet hatten.

Walter

Zu den Fotos …

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