Von Wien nach Mohacs

Wanderfahrt des deutschen und österreichischen Ruderverbandes vom 03. bis 16. Juli 2015

Schon im Vorjahr habe ich versucht, für diese Fahrt Interessenten zu finden. Leider waren es zu wenige, daher ließ ich es bleiben. Aber der Wanderruderreferent des ÖRV Fritz Stowasser hat meine Idee aufgegriffen und eine Verbandswanderfahrt für 2015 vorgeschlagen. Anlässlich unserer Finnlandtour 2014 habe ich von diesem Plan berichtet und gleich großes Interesse bei unseren deutschen Ruderfreunden festgestellt. Viele wollten sich gleich verbindlich anmelden.

So kam es zur Ausschreibung der DRV/ÖRV Verbandswanderfahrt Wien – Mohacs 2015. Daraufhin haben sich 15 Teilnehmer aus Deutschland von Regensburg bis Hamburg, ein Holländer aus der Schweiz und 16 österreichische Ruderer angemeldet. Einige davon konnten nur einen Teil der Strecke aus Zeitgründen mitmachen, so dass ein Platztausch in Budapest vorzusehen war. Fritz ist es gelungen, für jede Teilstrecke die komplette Besetzung von 5 Booten 4x+ zu organisieren. Zusammen mit 3 Personen für den Landdienst, eine davon, unser serbischer Freund Simeon und abwechselnd zwei weitere Tourenteilnehmer waren wir 28. In meinem Bericht will ich aufzeigen, dass die gesamte Strecke bei entsprechender Vorbereitung in angenehmen Etappen mit ausreichenden Pausen und akzeptablen Nächtigungen organisiert werden kann.

Unsere Begleitfahrzeuge waren zwei Kleinbusse, einer von den Normannen und einer, den uns die Sportunion freundlicherweise sehr günstig zur Verfügung gestellt hat. Wir brauchten demnach 5 C-Boote 4x+. Zwei kamen von den Normannen, eines vom Donauhort und zwei mussten wir aus Ungarn ausleihen. Unser Giselher, ein altes, sehr gut erhaltenes, noch dazu nicht zu schweres, aber schnelles C-Boot war unter den Teilnehmern sehr beliebt.

Am Freitag vor der Abfahrt war Vorbereiten der Boote und Verladen des Gepäcks in die Busse angesagt. Danach trafen sich die sowohl von den Normannen als auch von Donauhort Startenden im Restaurant Marina Kuchelau zu einer Koordinationsbesprechung und zum ersten gemeinsamen Abendessen. Zur Schleusung in Nußdorf waren schon um 08.30 alle Boote bereit, daher konnte die Weiterfahrt ohne Stress wegen der Ausflugsschifffahrt durch den Donaukanal fortgesetzt werden. Die Mittagspause in Orth mit davor bestellten kleinen, sehr gutem Lunch war sehr angenehm und wurde von allen genossen. Die Weiterfahrt nach Bratislava war problemlos und auch das Anlegen bei dem schwierigen Floß des Rudervereines wurde gut geschafft.

Am nächsten Tag war die Frage, wie hoch die Wellen im Staubereich von Gabcikovo sein werden, überhaupt kein Thema. Es war fast windstill. Dennoch haben wir eine Premiere bei der Weiterfahrt erlebt. Fritz hat es geschafft, sowohl bei den Slowaken in Cunovo die Schleusung in die Alte Donau, als auch bei den Ungarn in Dunakiliti zu organisieren. Bei Dunakiliti kamen wir in Zeitdruck, weil wir meinten, die Schleusung wird um 11 Uhr erfolgen. Daher mussten wir an das rechte Ufer fahren, obwohl unser Landdienst am linken Ufer mit dem Picknick wartete und heftig winkte. Die Schleusung dauerte dann doch wesentlich länger, weil erst die Schleusenkammer gefüllt werden musste. Das hat man vermutlich schon lange nicht gemacht… Irgendwie gelang es uns dann mit dem Landdienst Kontakt aufzunehmen. Sie haben doch noch am linken Ufer bei der Übertragstelle unterhalb des Kataraktes ausgeharrt. Wir mussten aber dorthin bis in Höhe der Schleuse etwa 3 km in starker Strömung zurück rudern und haben das Picknick daher sehr genossen.

Immerhin haben wir alle Möglichkeiten zum Einsetzen in die Alte Donau schon davor und nun zuletzt sehr genau erforscht. Die bisher übliche Übertragstelle vor dem Beginn des Kraftwerkskanals haben wir im Vorbeifahren genauso schlecht wie immer vorgefunden. Nach schöner Fahrt durch die ursprüngliche Natur war unser Etappenziel beim Fähranlieger Lipot am linken Ufer. Im dortigen Uferlokal konnten wir unseren ersten Durst stillen und auch die Boote einem Wächter anvertrauen. Den Transfer nach Gabcikovo zu unserem Quartier und zurück schafften wir mit unseren Kleinbussen.

Der nächste Tag brachte uns bis zur Vereinigung der Alten Donau mit dem Strom der vom Kraftwerk Gabcikovo kam. Dort in Gönyü gab es wieder ein wunderbares Picknick mit Getränken aus der kleinen Csarda. Zum Etappenziel in Komarno mussten wir 3 km die Waag stromauf bis in das Kanuzentrum rudern. Das geplante Abendessen im „Schiffrestaurant Borbala“ wurde leider wegen totaler Unfähigkeit des Betriebes nur zu improvisierten Imbissen – Ursache unbekannt, weil uns noch eine Woche davor persönlich die Reservierung bestätigt wurde.

Bei der Weiterfahrt nach Esztergom hatten wir dafür in der Campsite Eden nach etwa 2 km stromauf im rechtsufrigen Altarm einen sehr guten Lunch. Die Kathedrale von Esztergom begrüßte uns dann schon von Weiten und der Empfang im Ruderverein war äußerst freundlich. Im Gran Camping waren wir dann alle irgendwie untergebracht.

Bis Visegrad, der nächsten Etappe brauchten wir nicht lange. Ich habe mir schon lange gewünscht, dort nicht nur vorbei zu rudern, sondern auch die wunderschöne Landschaft zu genießen. Daher hat Fritz einen Bus gemietet, der uns auf die Burg Visegrad und danach wieder nach Esztergom gebracht hat. Der Ausflug auf die Burg und die tolle Aussicht von dort war wirklich sehr lohnend. Das geplante Abendessen in Restaurant Mediterranneo Esztergom war leider wegen eines verregneten Abends räumlich sehr eingeengt und nicht so stilvoll wie erwartet.

Am nächsten Morgen brachte uns der gemietete Bus wieder nach Visegrad, aber davor noch zur Kathedrale in Eszterom um uns eine Besichtigung zu ermöglichen. Die Weiterfahrt nach Budapest, vorbei an Szentendre erledigten wir „in einem Sitz“ bis zum Külker Evezös Klub und Übernachtung im Hotel Romai..

Der nächste Tag war eigentlich zur freien Verfügung gedacht, aber viele schlossen sich dem Angebot zu einer sehr lohnenden Besichtigungstour mit Bus an. Auf Vorschlag unseres Fremdenführers fuhren wir dann nach Szentendre wo einige von uns blieben, um dann mit dem Vorortzug wieder zurück zu fahren. Die meisten von uns besuchten dann am Abend den Mathias Keller. Einige zogen es vor, die „Ess-, Trink- und Unterhaltungsmeile“ am Romai-Ufer zu genießen.

Inzwischen sind auch die Kameraden für den zweiten Streckenabschnitt eingetroffen. Von den Teilnehmern des ersten Teils mussten wir uns natürlich verabschieden. Nach sehr eindrucksvoller Durchfahrt durch Budapest mit vielen Fotopausen hatten wir ein improvisiertes Picknick beim Fähranleger Tököl. Der Wirt hat sein Versprechen, uns zu verpflegen, offenbar vergessen. Daher musste der Landdienst schnell Proviant besorgen. Nachdem wir vorerst dort wenigstens unseren Durst stillen konnten, war diese Mittagspause letztendlich auch sehr angenehm.

Bei Ankunft am Fähranleger Lorev haben wir nach Lagerung unserer Boote im Garten des Fährhauses die Getränke des dortigen Buffets natürlich genossen, bevor unser Landdienst in mehreren Etappen uns in das Schloss Savoyai Kastely, zu einem stilvollem Diner und einer fürstlichen Übernachtung in eines der Schlösser des Prinzen Eugen von Savoyen brachte.

Am nächsten Tag verzichteten wir auf ein Picknick, weil wir nach Landung beim neuen Ruderverein in Dunavöldvar uns in der dortigen Halaszcsarda verköstigen wollten. Die Normannen haben, wie versprochen, diesem Verein einen Klinker Dreier als ihr erstes Ruderboot mit unserm Bootstransporter gebracht. Dafür gab es eine ausgezeichnete Jause von den sehr freundlichen Damen des sehr aktiven Vereins. In der Halaszcsarda hat zwar nicht jeder das bekommen, was er bestellt hat, weil die Küchenmannschaft nach unserer Bestellung Dienstschluss gemacht hat.

Hier will ich noch eine Bemerkung zur Gastronomie und Hotellerie in Ungarn einfügen: Der Dienstschluss des Küchenpersonals ist offenbar streng reglementiert. Einige glauben auch, dass ab 21 Uhr ist Schluss sein muss, keine Getränke, keine Speisen. Nun nach massiver Intervention gab es danach manchmal noch etwas. Fremdsprachenkenntnisse wie Deutsch oder Englisch sind in Ungarn leider selten anzutreffen. Rechnungen gibt es natürlich nur in Ungarisch ohne Übersetzung. Bargeldlose Zahlung ist nur selten möglich. Die Rücküberweisung einer Doppelverrechnung hat fast ein Monat gedauert, eine geleistete und nicht abgerechnete Anzahlung ist bis heute noch nicht zurück überwiesen worden. Das alles entspricht nicht der erhofften Europareife.

Ein gemieteter Bus brachte uns dann nach Kalocsa. Die Verköstigung dieses Abends wurde dennoch durch ein stilvolles Abendessen im Restaurant „KEK DUNA VENDEGLÖ“ am Donauufer abgeschlossen.

Der bestellte Bus brachte uns am nächsten Morgen wieder nach Dunaföldvar zu unseren Booten, zur Weiterfahrt nach Baja.

Auf dieser Etappe nach Baja haben wir ein Picknick am linken Ufer geplant, je nachdem, wo der Landdienst zufahren konnte. Sie haben sehr gut eingekauft, aber wegen des schlammigen Ufers konnten wir nicht anlegen. Irgendwie gelang es dann, dem Landdienst die Verpflegung einem unserer Boote zuzuwerfen. Dieses transportierte dann unser Picknick auf eine Sandbank am rechten Ufer, wo wir in aller Ruhe unsere Verpflegung genießen und dann auch noch baden konnten. Die Einfahrt in einen Nebenarm zum Ruderverein in Baja haben wir dann auch gefunden, unsere Boote versorgt und uns in das Duna Wellnesshotel begeben. Einige von uns nutzten den Abend auch noch zu einer Besichtigung des Ortszentrums, andere zogen Sauna, Schwimmbecken, oder Whirlpool im Hotel vor.

Er war nun der vorletzte Abend unserer Tour, daher war er mehr dem Abschied gewidmet. Es gab geschichtliche Erläuterungen über die Kämpfe Alt-Österreichs mit den islamischen Eroberungsfeldzügen in dieser Region, sowie Gesangs- uns Schauspielbeiträge von Lutz und Werner, sowie Ehrungen der Organisatoren durch die Teilnehmer.

Bis zum Endpunkt unserer Fahrt in Mohacs war kein Zwischenhalt geplant. Nachdem der dortige Ruderverein in Privatbesitz übergegangen ist, hat uns Simeon, unser treuer Tourenbegleiter zum Landeplatz der TID dirigiert. Dort halfen alle beim Abriggern und Reinigen sowie Verladen unserer Boote auf die Bootstransporter mit. Für Stärkung hat unser Landdienst auch noch gesorgt und uns sogar gekühltes Bier gebracht.

Kurz vor Torschluss konnten wir noch die Erinnerungsstätte für die Schlacht gegen die Türken in Mohacs besuchen.

Im Hotel Szent Janos verbrachten wir noch einen schönen Abend auf der Dachterrasse über der Donau.

Dann ging es wieder heimwärts. Jene, die per Linienbus von Mohacs nach Budapest und dann weiter nach Hause fuhren, hat der Hoteleigentümer zum Bus gebracht, die anderen fuhren zum Teil mit dem Normannen Bus und –Anhänger direkt nach Klosterneuburg. Nachdem Manfred Klein seine Boote auch gleich in seinen Wohnort Kimle gebracht hat, fuhren wir mit dem Union Bus dorthin, um ihm beim Abladen und verstauen der Boote zu helfen, Nach einer interessanten Plauderei mit dem ehemaligen Steuermann des berühmten „Deutschland- Achters“ traten wir auch dort die Rückreise nach Wien an um dann mit den notwendigen Abschlussarbeiten unsere wunderschöne Wanderfahrt abzuschließen.

Als Mitorganisator hat mich die ganz besondere Dankbarkeit aller Teilnehmer gefreut. Einige sagten, sie hätten nie so eine harmonische Wanderfahrt, ohne unnötige Aufregungen und Reibereien erlebt.

Natürlich danke ich auch allen für ihre tolle Kameradschaft und das Verständnis, wenn nicht alles so wie geplant und vorbereitet abgelaufen ist.

Günter

Zu den Fotos …

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