Belgrad – Kladovo: Auf der Donau zum Schwarzen Meer

5. – 10.8.2005. Die TID, die jedes Jahr von Ingolstadt nach Silistra in Bulgarien zwei Monate unterwegs ist, wird hauptsächlich von Kanuten benutzt und es sind auch alle Kanuverbände der Donau-Anrainerländer außer Rumänien dabei. Von den Ruderern ist nur der Deutsche Ruderverband TID-Mitglied und die Deutschen sind auch jedes Jahr meistens ab Mohacs dabei, wobei immer einige Boote des DRV mit sind und die Teilnehmer jeweils für eine oder mehrere Teilstrecken sich anmelden. In regelmäßigen Abständen organisiert Wolfgang David, der Präsident der deutschen TID-Ruderer auch Fahrten von Silistra ins Donaudelta. Meiner Meinung nach ist die einzige sinnvolle Art, die Strecke von Kladovo in Serbien bis ins schwarze Meer rudernd ohne irgendwelche Probleme zu bewältigen, mit der TID mitzufahren.

Die Jubiläums-TID war eine gute Gelegenheit, um die letzte mir noch fehlende Strecke zwischen Ulm und dem schwarzen Meer, das sind 2600 km Donau, zu berudern. Doch zuerst brauchte ich ein Boot, also Anruf bei Simeon Kljajic, dem Verantwortlichen für die serbische Strecke der TID. Simeon war mit uns schon im Delta gewesen und hatte 2002, als wir mit Lutz Zotti die Strecke Mohacs – Belgrad gerudert waren, den Hänger chauffiert und die Quartiere organisiert.

„Simeon hast Du ein Ruderboot für mich von Belgrad bis Kladovo, dann komme ich“
„Ja, Robert, ich habe ein Boot“
„Was hast Du“
„Einen Doppelzweier“
„O.K. Wir kommen zu zweit“

Ich rief Karl Böhm an, der 2002 auch mit dabei war und vorher mit mir und den beiden Mondseern Franz Fritsch und Rüdiger Ranner mit zwei ausgeborgten ungarischen Doppelzweiern von Budapest nach Mohacs gefahren war und ohnehin sein damals gekauftes Zelt wieder verwenden wollte. Er war dabei und damit war die Sache geklärt.

Als wir am 4.8. mit dem Nachtzug aus Wien ankamen und mit dem Taxi zum TID-Lagerplatz fuhren, war Simeon bereits da und das Boot lag bereits vorbereitet nahe bei der Einstiegstelle. Es war ein schweres Boot mit Abdeckungen vorne und hinten, aber es war groß genug, um unser gesamtes Gepäck inklusive Zelten und Schlafsäcken aufzunehmen. Schon beim Zeltaufstellen trafen wir einige Bekannte, u.a. von der Fahrt ins Delta, von früheren TIDs aus Serbien und Bulgarien, aber auch aus Kanada. Der DRV war mit zwei Doppelvierern, einem Doppeldreier, einem Doppelzweier mit und einem ohne Steuermann vertreten. Die deutschen Ruderer und einige ungarische und serbische Kanuten haben uns im Rahmen der Tour dann oft geholfen, unser Boot beim Zeltplatz oder auch während mancher Mittagsrast aus dem Wasser zu heben, da es für uns allein viel zu schwer war. Auch konnte Karl, der mit sehr viel Gepäck angerückt war, ab dem zweiten Tag einiges im deutschen Bus unterbringen. Da der 4.August der Ruhetag der TID war, machten wir noch eine Führung eines ungarischen Geschichtekenners auf die Burg mit, von wo man einen sehr schönen Ausblick in alle Richtungen hat und gingen dann mit einigen Deutschen in die Fußgängerzone, wo wir uns mit Lebensmitteln für den nächsten Tag versorgten und ein sehr gutes Mittagessen zu uns nahmen.

Der Startpunkt war in Belgrad etwas unterhalb der Save-Mündung bei km 1169,5. Das Ziel in Kladovo bei km 934 sollten wir in 6 Rudertagen erreichen, wobei der erste Tag nach Smederovo mit 50 km und der zweite Tag nach Veliko Gradiste mit 61 km die längsten Teilstrecken waren, speziell für ungeübte Kanuten auch ziemlich anstrengend. Aus Österreich waren außer uns beiden Ruderern noch sieben Kanuten dabei, wovon sich aber vier, darunter der TID-Verantwortliche Jannis Kaudelka bereits nach dem zweiten Tag wegen Übermüdung verabschiedeten. Jannis übergab die Verantwortung für das Aufteilen der Essensbons, die tägliche Information der Österreicher und die Teilnahme an den jeweiligen Ortsveranstaltungen an Max Grünberger, einen begnadeten Flötenspieler, der die gesellschaftlichen Verpflichtungen jeden Tag an jemand anderen delegierte, da ihm das absolut nicht lag.

Die nächsten Stationen waren Dobra bei km 1021, Doni Milanovac bei km 990 und Tekija bei km 957. Die kurzen Etappen waren uns aber sehr recht, da es in der Nacht immer wieder auch Regen gab und durch das frühe Erreichen des jeweiligen Etappenziels die Zelte vor dem Schlafengehen doch recht gut getrocknet werden konnten. An zwei Tagen gab es auch sehr starken Wind und recht hohe Wellen, dabei waren die Abdeckungen sehr von Vorteil. Am letzten Tag war die Schleusung um 10 Uhr bei der Schleuse Derdap I auf der rumänischen Seite angesetzt, da die serbische Schleuse für die große Anzahl von Booten nicht geeignet war. Dort mußten wir eine Stunde auf einen Kanuten warten, der in die serbische Schleuse eingefahren war, da er von früher her gewohnt war, daß dort geschleust wurde. Zwar hatte uns Max die Wartezeit mit einem Flötenkonzert etwas verkürzt, trotzdem wurde der Spätkommer nicht sehr freundlich empfangen.

Karl und ich hatten am letzten Tag wieder unser ganzes Gepäck im Boot, da wir uns sehr beeilen wollten, um einen frühen Bus von Kladovo nach Belgrad zu erreichen. Wir wollten den Nachtzug nach Wien erreichen, da Karl bereits ab nächstem Tag für eine Wanderfahrt ab Alemannia Korneuburg über die Mali Duna nach Komorn angemeldet war. In Kladovo wartete bereits Simeon auf uns, das Boot blieb an Ort und Stelle liegen. Wir verabschiedeten uns von neuen und alten Freunden, Simeon führte uns zum Busbahnhof, organisierte die Buskarten, wir tranken noch ein Bier zusammen und das wars.

Robert Loreth

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